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Immanuel Kant
Geboren am 22. April 1724 in Königsberg, gestorben ebenda am 12. Februar 1804.
Immanuel Kant gehört zu den bedeutendsten Philosophen überhaupt. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft leitete eine Wende in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie ein. Er schuf neue Perspektiven in Erkenntnistheorie, Ästhetik, Ethik, Rechts-, Religions- und Geschichtsphilosophie.
Er lehrte als Privatdozent Logik, Metaphysik, Anthropologie, Moralphilosophie, Natürliche Theologie, Mathematik, Physik, Mechanik, Geografie, Pädagogik und Naturrecht.
Berühmt ist Immanuel Kant heute noch als der wohl wichtigste Denker der Epoche der Aufklärung. Von ihm stammt der Aufklärung Definition und Leitspruch. Erstere lautet: Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Zweiterer lautet: Sapere aude – Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
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Das Pisaklischee
Ein Jüngling, Nicolas er hieß,
Der Straße längs nach hause lief.
Sein Haar war schwarz, die Schuhe ledern,
Die Laune gut; seine Schritte federn.
So truf er denn nach halbem Wege,
Den er spaziert war froh und träge,
Am Straßenrand 'nen alten Greis,
Der hustend keuchte, schwach und leis'.
Zwei Taschen warn zu seinen Füßen,
Die sich von ihm nicht tragen ließen.
Zu schwer, so schien's, warn sie für ihn.
Jedoch – kein Ohr war ihm geliehn.
Der alte Mann, Patrik war sein Name,
Der da müde stund und lahme,
War ein alter Pensionär.
Er hatte lang gearbeitet – wenn auch nicht schwer.
Auf seine Bildung stets war Patrik stolz.
Ohn' Abitur habe man einen Kopf aus Holz,
Sagte er oft unverfrören,
Wenn jemand bereit ihm zuzuhören.
Auch vom Rest der Weltenheit
Wusste er oft gut bescheid.
Die Demokratie sei längenst tot,
Die Kinder sei'n so dumm wie Brot,
Die Jugendlichen kriminell,
Die Sprache, sie verzalle … zerfalle schnell,
Die Rente steig' wohl nimmermehr,
Die Erde sei bald wüst und leer.
Ein Jüngling, er hieß Nicolas,
Hatte sich ein Herz gefasst.
Er trug helfend, kurzentschlossen
Zur andren Seit', die beiden Taschen.
Der Mann kam nach, Nicolas wollt gehn:
Dies' gute Tat ist gern geschehn!
Patrik, nun da, spuckte auf den Boden,
Fluchte laut anstatt zu loben.
Er höhnte: Gute Tat?! , und voll
Seine Stimme durch die Gassen holl,
Was er mir da geholfen hat,
War doch keine gute Tat!
Gut und edel, sagte Kant,
Dessen Wort Beachtung fand,
Sind nur Taten – unumwunden – ,
Die an keinen Zweck gebunden!
Tust du's, damit dein Geld sich mehrt,
So ist die Hilfe nichts mehr wert!
Selbst dann ist fort der Edelmut,
Wenn's Gewissen dadurch ruht!
Da so nun aber jede Tat
Einen Nutzen in sich hat,
Da somit jedermann vom Zweck
Zum Mittel würde, indirekt,
Kann es auf der Erde eben
Keine gute Tat mehr geben.
Jede Hilfe, noch so sehr,
Ist Egoismus und nicht mehr!
Nicolas der Jüngling hieß,
Den der Mann vor'n Kopfe stieß;
Nicolas war sehr verstört
Von diesen Dingen, die er gehört.
Die Rede, die der Mann gestartet,
War nun wirklich nicht erwartet.
Nicolas spruch wohlbedachte,
als er da die Antwort machte:
Kant wünschte Selbstlosigkeit,
So ist's richtig, so gut, so weit!
Doch er hat, 's liegt auf der Hand,
den Widersinn darin erkannt!
Den Widersinn, das jedermann
Dieserweis' ein Egoist sein kann!
Dass es so möglich, jeden Segen
Als Zweck zum Mittel auszulegen!
Doch habt Ihr verwechselt hier die Seit',
Was nicht gewesen sehr gescheit.
Ich hab geholfen statt zu gehn,
Ohn' das Objekt – Euch! – zu besehn.
Ohn' drauf zu achten, ob Ihr denn
Ein guter Freund, ob ich Euch kenn!
Für Euch hingegen war ich direkt
Ein reines Mittel für den Zweck.
Unverzagt könnt Ihr nun walten,
Ich jedoch hab nichts erhalten!
Dessen wurde Kant gewahr,
Dort lag der trocknen Theorie Gefahr!
Denn an der Kasse und im Bus
Wo bedient ich werden muss,
Nehm' Tat entgegen stets nur Ich!
Die Angestellten kriegen nichts!
Ungerecht wär diese Welt,
In der stets einer nur erhält!
Doch Kant holte da aus dem Schranke
Ein klitzekleines Wörtchen: Danke!
Ein kleines Wort, das ohne Geld
Des Sprechers Ehre wohl erhält.
Denn wenn auch ohne Gegentat
Er weiterwandre unverzagt,
Der Andre dennoch mehr als Mittel;
Es steckt auch Zweck in seinem Kittel.
Denn er hat nicht nur schlicht geschenkt,
Er hat auch Dank auf sich gelenkt!
So wäre , Nicolas da lacht',
Ein Dank wohl eher angebracht!
Anstatt hier nur auf mich zu schimpfen
Und meine Tat verunzuglimpfen!
Der alte Mann war fassungslos:
Was fiel denn ihm da in den Schoß?
Doch Nicolas, nun redekühn,
Spruch munter weiter, ungestüm:
Gesetzt den Fall, man nehme an,
Ich hätte es für Lohn getan.
Auch diese Seit' muss man erhellen;
Hier will ich eine Frage stellen:
Ihr redt von Eigennutzigkeit,
Auch Ihr seid davor nicht gefeit!
So nehmen wir doch einfach an,
Dass ein Egoist ist jedermann!
Wenn ich Euch dann die Taschen trag',
Ist es egal, was mir dran lag!
Solange Ihr die Hilf' erreicht,
Sei, wer's getan hat, Euch doch gleich!
Zwei Alternativen habe ich:
Dass Ihr ein Egoist seid – oder nich'!
Bei Erstens Ihr nichts wissen wollt,
Bei Nummer Zwei wohl danken sollt.
So stell ich nun die letzte Frage:
Welche Seit' Euch wohl behage?
Selbstsucht ja oder Selbstsucht nein:
Welche Eigenschaft soll Eure sein!
Patrik stund da mit offnem Munde,
So wunderlich war keine Stunde!
Durch Nic'las Red' – die etwas wilde –
Zusamm'bruch Patriks Weltenbilde.
Ist die Welt geweiht dem Tode nicht?
Brennt in manchem Oberstübchen Licht?
Patrik setzte sich auf eine Bank,
Und lispelte schließlich: Vielen Dank.
Nach kurzem Abschied Nicolas sich schnell entfernte,
Patrik vielleicht dazu was lernte?
Bis zur Dämm'rung saß er auf der Bank,
Da kam ihm plötzlich der Gedank'!
Er dachte: Natürlich! So ist's klar!
Der Mann wohl eine Ausnahm' war!
Der kluge Helfende, so sehr er
Doch noch jung war, ist wohl Lehrer!
Einer der Wen'gen, die's geschafft
Zum Lehramt, zur Nachstudienschaft.
Der ist wohl Doktor, oder Professor,
Ihm macht wohl niemand etwas vor!
Vergnüglich öffnete Patrik die Haustür,
Seine Stimmung glich einer Allür.
Die Welt wird doch noch untergehn,
Nun kann er böse weiterkrähn.
Ein Jüngling, Nicolas er hieß,
Der Straße längs nach hause lief.
Er war wohl als der Mann noch klüger,
Doch weder Student noch Lehrer war er –
Er war Schüler.
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